Katalog & Verzeichnis
Eine manuell aufgebaute Link-Sammlung kennzeichnete den Beginn der globalen Suche im WWW. Die Entwickler des WWW bauten als Erste eine Link-Zusammenstellung auf, um das WWW zu verbreiten, aber auch um diese Verbreitung mitzuverfolgen. Daraus entstand einer der umfangreichsten WWW-Kataloge, die Virtual Library die auch heute noch vorhanden und von mehreren Institutionen weltweit unterstützt wird. Parallel dazu entstanden auch andere umfangreiche Kataloge und dienten "lange" Zeit der Web-Welt als beste globale Suchmöglichkeit.
Das Suchverfahren in Katalogen basiert auf der Navigation in den hierarchisch aufgebauten Suchgebieten. Dadurch, dass nicht zu viele Dokumente auf einer Ebene sein dürfen, da sonst Benutzer schnell das Interesse durch ein informationelles Überangebot verlieren könnten, sind die Organisatoren von Katalogen gezwungen, nach relevanten Startseiten zu den einzelnen Themen zu suchen. Folgende Graphik illustriert den konzeptionellen Aufbau von Webkatalogen.

- Abb. 1: Aufbau von Webkatalogen (Quelle: Griesbaum, J / Bekavac, B. / Rittberger, M., 2008, Typologie der Suchdienste im Internet)
So wurden vorerst nur bekannte und themenrelevante WWW-Dokumente aufgenommen. Dieser zentrale Aufbau der Web-Kataloge beziehungsweise -Verzeichnisse musste jedoch bald, aufgrund des starken Wachstums und der Unübersichtlichkeit immer neu erscheinender Web-Sites, in eine dezentrale Form überführt werden: Web-Autoren beziehungsweise Administratoren hatten die Möglichkeit, über WWW-Formulare ihre eigenen Angebote bei den Katalogdiensten als Link, meist mit einer Kurzbeschreibung, einzutragen. Der positive Effekt war eine rege Beteiligung und schnell zunehmende Anzahl von Einträgen in den vorgegebenen Rubriken. Nur so konnte die ohnehin schwache Abdeckung des Webinformationsangebotes etwas ausgeweitet werden. Die Richtigkeit der gemachten Angaben sowie die Aktualität der Kataloge konnte allerdings nicht mehr sichergestellt werden, da diese nur von den Eintragenden selbst abhing.
Kataloge eignen sich vor allem, wenn man zu einem gewissen Thema beziehungsweise Sachgebiet einen Einstieg finden will, ohne dabei ganz konkret nach einer bestimmten Information zu suchen. Das Browsen des Benutzers in einem Katalog erlaubt auch den Serendipity-Effekt. Darunter versteht man den Effekt, der sich durch Ablenkung während des Suchens auf Sachverhalte, die in keinem offensichtlichen Zusammenhang zum eigentlichen Suchthema stehen, ergibt. Beim Einstieg in neue Gebiete ist dieser Effekt durchaus wünschenswert, da er kreativitätssteigernd wirken kann und bei der reinen Stichwortsuche eher ausbleibt.
Aber auch die Kataloge selbst erreichten schnell eine Grösse, bei der die navigatorische Suche mühsam war und nicht mehr adäquat schien. So wurden diese mit einer Stichwortsuche und Suchmethoden, wie Boolesche Operatoren, innerhalb der Katalogeinträge ausgestattet. Diese Indexsuche ist aber für den Benutzer meist nicht sehr zufriedenstellend, da die Suche nicht auf den Volltexten basiert. Sie ist auf den Linktexten der referenzierten Dokumente und deren Beschreibungen aufgebaut.
Es gibt auch Kataloganwendungen, bei denen die Stichwortsuche eine grössere Rolle spielt als die Navigation, wie z.B. bei Email-Adressverzeichnissen. Abgesehen davon, dass die globale Suche hierbei nur über WWW-Kataloge bzw. Verzeichnisse möglich ist, da Email-Adressen im Gegensatz zu Web-Seiten nicht automatisch abgefragt werden können. Der Anwender ist weniger daran interessiert, in einem Email-Verzeichnis zu stöbern, sondern eher über die Stichwortsuche die gewünschte Email-Adresse schnell ausfindig zu machen.
Zusammenfassend haben Webkataloge folgende Vor- bzw. Nachteile [1]:
Vorteile:
- Webkataloge eignen sich sehr gut für den Einstieg in bestimmte Themen und geben einen ersten Überblick in das Thema.
- Die intellektuelle Arbeit, d.h. die redaktionelle Aufarbeitung, sichert eine minimale Qualität der ausgewählten Webinhalte.
- Die Einteilung erfolgt durch thematische und hierarchische Prinzipien. Dadurch bieten Webkataloge Kontextinformationen.
- Oftmals erfassen Webkataloge eine Vielzahl von hochwertigen (Fach-)Datenbanken, deren Inhalte Suchmaschinen verschlossen bleiben.
Nachteile:
- Die Webkataloge sind organisch gewachsen, deshalb fehlt oft ein standardisiertes Regelwerk für die Einordnung.
- Die intellektuelle Arbeit ist sehr aufwändig, vor allem um die Inhalte jeweils zu aktualisieren.
- Webkataloge bieten eine geringe Abdeckung.
Das grösste Webkatalog ist das Open Directory Project mit über 4'600'000 Webseiten. Der älteste Webkatalog ist Yahoo, der 1994 gegründet werde.
Social Bookmarkdienste oder Tagging Communities
Eine weitere Möglichkeit für den Aufbau eines Katalogs sind Social Bookmarkdienste oder Tagging Communities. Zwei Beispiele für solche Art von Katalogen sind delicious und Flickr.
Im Gegensatz zu den üblichen Inhalten der Kataloge, die mit Hilfe von redaktionellen Kräften erschlossen werden, werden die Inhalte solcher Dienste durch die Nutzer gemeinsam indexiert. Dies geschieht ohne strukturelle oder inhaltliche Vorgaben und Kontrolle. Das heisst, es existiert keine Ordnungshierarchie. Die Webseiten werden mit so genannten Tags (freie Schlagworte) versehen. Das gemeinsame Taggen wird auch als Folksonomie bezeichnet. Bookmarks können kommentiert und verschlagwortet und anderen Benutzern zugänglich gemacht werden. Folgende Graphik zeigt die Funktionsweise der Social Bookmarkdienste. [1]

- Abb. 2: Aufbau von Social Bookmarkdienste (Quelle: Griesbaum, J / Bekavac, B. / Rittberger, M., 2008, Typologie der Suchdienste im Internet)
Diese Dienste werden als zentraler Entwicklungsstand des Web 2.0 gesehen. Sie weisen vielfältiges Potenzial zur Verbesserung des Informationsretrievals im Web auf. [1]
Portale
Eine spezielle Ausprägung von Web-Katalogen bzw. Verzeichnissen bilden Portale, die als Einstiegspunkte in das WWW gelten. Diese werden meistens von bekannten Providern oder Suchdienstanbietern, wie z. B. AOL oder Yahoo! bereitgestellt und sind ebenfalls nach diversen Rubriken geordnet. Hierbei geht es aber weniger darum ein größtmögliches Angebot bereitzustellen, sondern eher das wirtschaftliche Interesse durch Verträge und Bildung von Mehrwertdiensten mit diversen Anbietern wie z.B. Firmen, Banken, Kaufhäusern, Wetterdiensten usw. zu verfolgen. Die Einträge erfolgen demnach ausschliesslich durch den Anbieter des Portals.
Ein Portal kann anhand folgender Kriterien von "einfachen" Katalogen unterschieden werden:
- Portale sollten betrachtet werden als Einstiegspunkt für den vereinfachten Zugang zu einer grossen Menge an Informationen und Angeboten des durch sie repräsentierten Mediums, z.B. Internet, Intranet.
- Portale verwenden solche Informationsquellen und Suchwerkzeuge, die den wirtschaftlichen Interessen der Portal-Anbieter entsprechen. Dazu zählen unterschiedliche Dienste wie Suchmaschinen, Kataloge oder Spezialsuchdienste für bestimmte Themen oder Datentypen. Zusätzlich ist auch eigener, redaktionell aufgearbeiteter Inhalt ("Content") zu bestimmten Themengebieten aus eigenen oder fremden Quellen charakteristisch für Portale.
- Ein wichtiges Merkmal von Portalen sind Möglichkeiten der Personalisierung zur Anpassung der Seiten des Portals an persönliche Interessen und Präferenzen. Typisch wären auch Ergänzungen von Tools zur Unterstützung von netzbasierten Aktivitäten und Kommunikation z.B. Email-Account, Bookmarkmanagementtool, Adressbuch, Kalender, themenspezifische Chatrooms usw.
Portale können ferner unterteilt werden in horizontale Portale, die inhaltlich allgemein gefasst sind, und vertikale Portale, die auf bestimmte Themen oder Zielgruppen fokussieren.
Beispiele für die erste Gruppe sind: Excite, AOL und About; für die zweite Gruppe: ZDNet.
Quellen
[1] Griesbaum, J / Bekavac, B. / Rittberger, M. (2008): Typologie der Suchdienste im Internet. In: Dirk Lewandowski (Hrsg.), Handbuch Internet-Suchmaschinen – Nutzerorientierung in Wissenschaft und Praxis. Heidelberg: Akademische Verlagsgesellschaft.





