Publikationspraktiken

Open Access ist keinesfalls mit der reinen Selbstpublikation (Selfposting) gleichzusetzen, wie sie durch das World Wide Web (WWW) praktisch für alle möglich geworden ist, sondern ordnet sich in die qualitätssichernde Praxis der Wissenschaft ein [1]. Bei der Umsetzung wird grundsätzlich zwischen zwei Publikationspraktiken unterschieden: dem grünen und dem goldenen Weg:

  • Goldener Weg - Publishing:

a. Das Veröffentlichen bei Open-Access-Verlagen bzw. in Open-Access-Zeitschriften, die sich entweder durch Publikationsgebühren vorab finanzieren (z.B. BioMed Central) oder öffentlich finanziert sind (z.B. Digital Peer Publishing Initiative DIPP). 

b. Die parallele Publikation von Büchern im Druck (kostenpflichtig) und als elektronische Version (freier Zugang) in Open-Access-Verlagen, insbesondere in Universitätsverlagen. 

  • Grüner Weg - Self Archiving:

a. Preprints: Die Veröffentlichung von noch nicht begutachteten Artikeln  auf Publikationenservern von Hochschulen oder Forschungsorganisationen.

b. Postprints: Die Speicherung begutachteter Forschungsartikel auf institutionellen (oft fachübergreifenden) oder disziplinären (institutsübergreifenden, fachspezifischen) Publikationsservern. [5]

  • Grauer Weg:

Unter grauer Literatur werden Schriften verstanden, die nicht über herkömmliche Vertriebswege (Verlage, Buchhandel) verbreitet werden. Als grauer Weg wird die Bereitstellung von grauer Literatur im Open Access bezeichnet. Im Unterschied zum goldenen und grünen Weg erfolgt die entgeltfreie Nutzbarmachung von Dokumenten hier ohne die Beteiligung von Verlagen bzw. Zeitschriften und wird auch nicht von einer nachträglichen, vorhergehenden oder zeitgleichen Veröffentlichung in einem Verlag bzw. einer Zeitschrift begleitet. Ob mit dem grauen Weg tatsächlich eine eigene Open-Access-Strategie vorliegt oder nicht vielmehr eine Sonderform des grünen oder goldenen Weges, ist ebenso umstritten wie die Frage, ob die entgeltfreie Bereitstellung grauer Literatur über das Internet überhaupt einen Fall von Open Access darstellt. [6

 

Während der goldene Weg die Erst-, bzw. Parallelpublikation zu Open-Access-Bedingungen bezeichnet, werden beim grünen Weg Beiträge, die von einer Fachzeitschrift angenommen wurden (Preprints) oder die bereits publiziert worden sind (Postprints), zusätzlich auf einem frei zugänglichen Dokumentenserver abgelegt. Hierbei kann zwischen institutionellen und fachspezifischen Dokumentenservern (institutional bzw. disciplinary repositories) unterschieden werden. Ein institutioneller Server verfolgt das Ziel, die Forschungsergebnisse einer bestimmten Einrichtung, z.B. einer Universität oder eines Forschungszentrums, zu bündeln und der Öffentlichkeit elektronisch zugänglich zu machen. Dagegen werden bei fachspezifischen Servern institutions- und länderübergreifend die Forschungsergebnisse einzelner Fachbereiche gebündelt.

Bekannte Beispiele sind der Preprint-Server arXiv der Cornell University, der aktuell über 600‘000 wissenschaftliche Artikel aus den Bereichen Physik, Mathematik, quantitative Biologie und Computerwissenschaften zur Verfügung stellt, oder PubMed Central (PMC), der Server der U.S. National Institutes of Health (NIH). Publikationen aus NIH-geförderten Projekten müssen zwingend auf dem grünen Weg in PMC eingereicht werden.

Aus der Open Access-Bewegung ist die Open Archives Iniatitive entstanden, die die Zusammenarbeit fördert und Standards entwickelt, um die Verbreitung von Inhalten zu erleichtern. Durch das Open Archives Initiative Protocol for Metadata Harvesting (OAI-PMH) ist OAIster entstanden, ein Katalog von 25 Mio. Artikeln, der Inhalte von über 1100 Beteiligten vereinigt. Suchbar sind diese Inhalte über Worldcat.

 

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