Elektronische Zeitschriften

Nach Keller (2005) orientiert sich die Definition einer elektronischen Zeitschrift bis heute an der Definition einer traditionellen (wissenschaftlichen) Zeitschrift, da „es sich bei knapp 89% aller elektronischen Zeitschriften um Parallelausgaben zu Printzeitschriften handelt“ [3].

Die ersten Experimente mit elektronischen Zeitschriften, die mit Hilfe von Fördermitteln im Umfeld von amerikanischen und britischen Universitäten gemacht wurden, setzten jedoch nicht beim traditionellen Publikationsmodell an. Es handelte sich vielmehr um eigens kreierte, digitale Titel ohne Printvorlage. Die ersten Beispiele hinterfragten den Publikationsprozess mit Hilfe der neuen Technologien – elektronische Texterfassung und –verarbeitung, elektronische Übermittlung von Texten sowie Zugriff auf einen zentralen Computer – und versuchten, ihn neu zu gestalten. Keller (2005) nennt als Pioniere die Titel „Mental Workload“ (1980) und „Computer Human Factors“ (1982) [3]. Die frühen Beispiele scheiterten aus zwei Gründen:

  • Die Technik war noch nicht ausgereift, die Bereitschaft der Anwender zur Auseinandersetzung mit benutzerunfreundlichen Textverarbeitungssystemen, mangelhaften Lesegeräten sowie instabilen und teuren Kommunikationsverbindungen war nicht vorhanden. Speicherplatz war teuer. Zudem mangelte es an der Möglichkeit, grafische Elemente darzustellen.
  • Autorinnen und Autoren waren wenig motiviert, die etablierten Publikationskanäle, von denen auch ihr wissenschaftliches Renommee abhing, zugunsten von unsicheren Experimenten zu verlassen.

Auf ein gutes Echo stiessen hingegen von Anfang an die rund um diese Experimente herum aufgebauten informellen Kommunikationsforen, wie Newsletter, Bulletin Board und Computerkonferenzen [3].

Die etablierten Zeitschriftenverlage trugen den ersten Erfahrungen Rechnung, indem sie technisch auf der Expertise der kommerziellen Datenbankanbieter aufbauten und sich auf die elektronische Parallelausgabe etablierter Zeitschriftentitel konzentrierten. Als Pioniere boten der Zeitschriftenverlag Elsevier und die American Chemical Society (ACS) 1983 erstmals etablierte Titel online an, beide in Zusammenarbeit mit dem Host Bibliographic Retrieval Services (BRS). Die ACS stellte dabei ihr ganzes Portfolio von damals 18 Titeln elektronisch zur Verfügung [3].

Analog zu den Datenbanken wurden auch für elektronische Zeitschriften neben dem Onlineangebot Disketten und später CD-ROM als Speicher- und Distributionsmedium verwendet. Im Vergleich mit den Datenbanken brach die Internetzeit für die elektronischen Zeitschriften mit Verzögerung an: Keller (2005) bezeichnet dafür aufgrund der Quellenlage die Jahre 1990-1995. Neben den elektronischen Parallelpublikationen etablierter Titel entstanden weiterhin Zeitschriften, die ausschliesslich in elektronischer Form publiziert wurden. Für den automatisierten Versand von Inhaltsverzeichnissen und Abstracts an die Leserinnen und Leser wurden häufig Listserv-Mailinglisten eingesetzt. Diese liessen Raum für zusätzliche Formen der Wissenschaftskommunikation und fanden rasch Verbreitung [3]. 1993 listet die dritte Ausgabe des „Directory of Electronic Journals, Newsletters and Academic Discussion Lists“ folgende Angebote:

Anzahl elektronischer Zeitschriften:45
Anzahl Diskussionslisten:1’100
Anzahl Newsletter:1

[3].


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